Wettlauf gegen uns selbst, zu uns selbst – Teil 2

Hier der zweite Teil meines neuen Blogposts, ich hoffe er gefällt euch:

a true story:

Ich kenne eine sehr wohlhabende Frau, die ein Imperium zusammen mit ihrem Mann vor vielen Jahren gegründet hat. Sie ist eine starke, unabhängige, angesehen und sehr weise Frau. Sie hat diese Ausstrahlung und Sicherheit in ihren Worten und Augen, die automatisch Respekt erzeugen. Genau diese Frau hat vor einiger Zeit ihren Mann verloren.

Man sah sie direkt nach dem Tod des Mannes einige wenige Tage nicht und als sie wieder zurückkam, war ihr kaum noch etwas anzusehen. Sie lachte stark, war humorvoll und hatte wieder diese unfassbar starke Präsenz, wenn sie den Laden betrat.

Wahrheit

Als wir uns dann mal unterhielten – ich weiß nicht mehr genau wie wir darauf kamen – sagte sie mir etwas, das mich bis heute und für immer durch mein Leben begleiten wird.

Sie: „Wissen Sie, meine Freunde fragen mich ständig, ob ich meinen Mann überhaupt geliebt habe, denn sie sagen mir ginge es so gut und ich wäre so schnell wieder zurück ins Leben gekommen. Das wäre nicht normal und auch nicht schön, wenn man bedenke, dass ihr Mann gestorben ist. Heute weiß ich, dass ich meinen Mann mehr geliebt habe, als ich es je gedacht hätte. Doch leider verstehen die Menschen nicht, dass das mit meinem Mann auf einer ganz anderen Ebene stattfand. Ich habe ein großes Geschäft zu führen und auch durch den Tod meines Mannes dreht sich die Welt leider weiter.

Ebenen

Die Außenwelt und das Geschäft finden auf einer getrennten Ebene statt. Doch keine weiß, wie es mir geht und wie sehr ich weine, wenn ich dann zuhause mit meinen Kindern bin oder alleine auf die Ebene der Liebe und Trauer absteige.“

Vorurteile

Ich muss zugeben, dass auch ich das dachte. Ich dachte immer, was hat eine Frau schon davon, wenn sie das erreicht, was alle Frauen erreichen wollen, eine große gesunde Familie, ein großes Unternehmen, eine lange glückliche Ehe. Ansehen und den Respekt von so vielen Menschen, wenn sie nicht einmal eingeknickt ist, wenn ihr eigener Mann verstirbt. Zu was für eine Maschine sie denn geworden ist, wenn keinerlei Emotion mehr in ihr steckt.

Doch sehe da, das war nur ein Vorurteil. Ich werde ihr niemals auf dieser Ebene begegnen, um einigermaßen nachzuvollziehen, was sie da durchmacht.

 

… bald geht es weiter!