Bereits während der Ausbildung habe ich schnell gemerkt, dass es nicht einfach ist, sich in einem Betrieb durchzusetzen, welcher den Eltern gehört.
Die meisten kennen das Prinzip und hatten schon mal einen Streber, einen Schleimer,

einen besonders guten oder intelligenten Mitschüler in der Klasse … man mag ihn nicht! Vielleicht ein Liebling des Lehrers, bei dem man das Gefühl hat, er würde bevorzugt werden… Das gleiche kennt man am Arbeitsplatz. Kollegen, die besonders gut oder fleißig sind, mit denen der Chef immer zufrieden ist – davon geht man zumindest aus – den mag man nicht in der Gruppe haben. Auf der anderen Seite kennt ihr vielleicht auch die folgende Situation: Kollegen können richtig gemein sein und Mobbing am Arbeitsplatz ist wahrscheinlich das schlimmste, was einem im Arbeitsleben widerfahren kann.
Man versucht sein Bestes zu geben, will nur einen guten Job machen und wird deswegen nicht gemocht! Die Kollegen reden, wenn man den Raum verlässt und werden schlagartig ruhig, wenn man ihn wieder betritt.

Die Tochter des Chefs ist nichts von alledem. Sie ist weder besonders intelligent, noch ein Streber, kein Liebling des Chefs und auch nicht fleißiger als die anderen, aber sie hat etwas mit diesen Außenseitern gemein… man mag sie nicht! Wenn man die Tochter des Chefs ist, wird man, das kann ich euch versichern, nicht gemocht. Ich möchte mich nicht als Opfer darstellen, sondern euch einfach davon erzählen, was es bedeutet, die Tochter des Chefs zu sein. Es ist kein einfacher Weg – meines Erachtens ein sehr schöner im Bezug auf das Leben, aber ganz sicher nicht der einfache. Schon während der Ausbildung habe ich immer wieder zu spüren bekommen, dass man als Tochter des Chefs nicht gemocht wird. Zwar verstand ich mich menschlich immer sehr gut mit meinen Kollegen, teilweise traf ich mich auch privat mit ihnen, dennoch war es während der Arbeitszeit nicht immer leicht. Egal was und wie ich es tat, meine Kollegen gingen davon aus, ich habe es nur getan, weil ich die Tochter des Chefs bin und bevorzugt werden würde. Keiner meiner Kollegen hat mir je geglaubt, dass ich das gleiche Ausbildungsgehalt bekommen hatte wie die anderen Mitarbeiter. Sobald ich mir etwas gekauft hatte, bekam ich Blicke zugeworfen, die sagen wollten: „Jaa, du verdienst ja auch mehr als Tochter!“, „Das Auto hat dir bestimmt dein Dad gekauft!“, oder „Du bekommst ja sowieso alles, was du möchtest!“. Tatsache ist, dass das nie so war. Ich habe monatlich 100€ weniger bekommen, bis ich mir auf diese Weise meinen ersten Fiat Punto zusammen gespart hatte. Und wenn ich von meinen Eltern etwas bekam, dann nicht als Tochter des Chefs, NEIN, sondern weil sie eben auch ganz normale Eltern waren, meine Eltern, die ihrem 16jährigem Kind, also mir, halfen, wenn das Geld mal knapp war, was mit 16 nun mal vorkommt! In der Regel beginnt man eine Ausbildung mit 16 Jahren… Genau dann beginnt man meist auch, seine eigenen Wege zu gehen.
Man lässt sich von den Eltern nichts mehr sagen, streitet viel und kann es kaum erwarten, 18 zu sein! 18 Jahre, um endlich raus zu gehen, raus in die Welt und vielleicht sogar weit, weit weg von den Eltern!

Ein junges Mädchen, das sich entscheidet, bei seinen Eltern zu lernen, entscheidet sich aber für einen anderen Weg.
Man entscheidet sich nicht nur gegen das Abkapseln von den Eltern, sondern gleichzeitig dafür, die Eltern als Chefs zu akzeptieren. Man muss lernen, diese Rollen voneinander zu trennen und das ist verdammt schwer, denn in einem Familienbetrieb endet die Arbeit nicht, wenn man abends nach Hause geht, sondern man setzt sich dann zusammen mit seinen Chefs an den Esstisch, die einem dann erzählen, was falsch gelaufen ist, was man noch verbessern kann… Bis man gelernt hat, die Elternrolle von der Chefrolle zu trennen, gibt es eine Zeit, in der man seine Eltern auf eine gewisse Art und Weise verliert.

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Die Ausbildung bei meinen Eltern war eine Zeit voller Eindrücke, denn ich hatte die Chance, meine Mutter und meinen Vater stundenlang bei ihrer Arbeit zu beobachten. Es war für mich faszinierend zu sehen, mit wie viel Leidenschaft sie ihre Arbeit ausübten und wie viele tolle Gespräche sie mit Kunden führten. Wie viel Energie sie in dieses Projekt stecken und wie sie es schafften, immer das Geschäft im Blick zu halten, ohne uns als Familie zu vernachlässigen. Mir war sehr schnell klar, dass ich das auch wollte, doch mein Umfeld brachte mich zum Zweifeln. Täglich wurde mir gesagt, ich solle woanders hingehen, da ich bei meinen Eltern nie so viel lernen würde, wie in einem anderen Betrieb. Andere legten mir ein Jahr im Ausland nahe oder einen ganz anderen Job. Ich würde so doch nie wissen, was es bedeutete, richtig zu arbeiten. Niemand sah, wie lange ich nach Feierabend noch im Salon war, um einer Freundin die Strähnen zu machen, wie ich sie Tage zuvor meine Mutter machen sah. Keiner sah, wie viele Stunden ich abends, in meiner Freizeit, mit meiner Familie zusammen saß, um darüber zu sprechen, was ich noch verändern, lernen und verbessern sollte. 

Ich hatte meine Ausbildung noch nicht einmal beendet, als mir von allen Seiten bereits geraten wurde, meinen Meister sofort zu machen, da ich ihn sonst nie machen würde. Ich könne ja nicht ewig im gemachten Nest bleiben und auf meine Eltern angewiesen sein. Menschen aus meinem Freundeskreis nahmen mich überhaupt nicht ernst. Sie gingen davon aus, ich könnte ihre Arbeitssituation gar nicht nachvollziehen, schließlich hatte ich es ja ganz einfach, da ich ja für meine Eltern arbeitete. Parallel dazu bekam ich von meinen Eltern andauernd zu hören, ich hätte dies und das nicht richtig gemacht. Ich habe die Arbeit mit meiner Familie immer geliebt und genossen, auch habe ich die Kunden geliebt, von den Haaren ganz zu schweigen, trotzdem wurde der Drang (oder Zwang) raus zu gehen immer stärker. „Ich werde bald meinen eigenen Laden aufmachen, meinen Meister, mein eigenes Ding machen, eben nicht bei meinen Eltern arbeiten.“ Ich konnte es nicht mehr hören, ich wollte es allen beweisen, dass ich es auch ohne meine Eltern schaffen konnte. Ich würde auch einen Laden haben und es genauso toll machen, wie meine Eltern… vielleicht.
Als ich meine Ausbildung begann, hatten meine Eltern ihren Salon bereits seit zehn Jahren. Sie hatten sich einen Namen gemacht, waren immer fleißig und hatten Durchhaltevermögen bewiesen. Wenn ich dort arbeiten würde, wäre es so, als würde ich mich in ein gemachtes Nes setzen, dachte ich. Mein Ego und mein Ehrgeiz konnten das einfach nicht auf sich sitzen lassen. Nicht nur, wegen der Geschichte mit meinen Eltern, sondern weil ich eine Leidenschaft gefunden und einen Traum von einem großen Laden hatte. Ein Laden, in dem wunderschöne, junge Frauen kamen, die meine Arbeit mochten und dort mit mir tolle Gespräche über Gott und die Welt führten. Ich fing an, mit meinen Eltern zu streiten, ließ mir nichts mehr sagen, da ich sowieso meinen eigenen Laden eröffnen und eh tun würde, was ich wollte und überhaupt, ihnen beweisen werde, dass ich es auch ohne ihre Hilfe schaffe.
Wie das nun mal so ist in einem Familienbetrieb, habe ich öfter einen Montag, an dem wir normalerweise geschlossen haben, in unserem Geschäft verbracht – ich muss dazu sagen, dass ich unseren Salon sehr geliebt habe, er war für mich mein Zuhause. Heute kennt der ein oder andere es als die Boutique Larte Store. Wenn wir geöffnet hatten, war er für mich ein warmes Zuhause, in dem es immer nach Farbe oder Dauerwelle roch, das Gebläse der Föhne auf Hochtouren lief und es immer tolle Menschen gab. Genauso schön war der Laden aber auch montags – es war leer, manchmal herrschte noch die ein oder andere Unordnung vom Samstag zuvor. Ich erinnerte mich an Arbeiten, die ich die Woche zuvor gemacht hatte, an Menschen, die ich bedient und an Gespräche, die ich geführt hatte. Die Montage in unserem Salon sind wie ein entspannter Tag in einer Art Wohnzimmer, welches eigentlich immer voller Gäste ist und welches deshalb die Energien dieser Menschen noch immer in sich trägt…

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Besuch eines Engels

An diesem Montag kam ich aus dem Fitnessstudio und fuhr, wie fast jeden Montag, erst mal ins Geschäft. Ich setzte mich auf einen der Warteplätze, schaute mir die Zeitungen an, in die man als Friseur nur manchmal einen kleinen Blick über die Schulter einer Kundin erhascht – das tue ich übrigens heute noch – mich an meinen freien Tagen auf unsere Warteplätze zu setzen und alle unsere Zeitschriften einmal durchblättern 😀
Für uns beginnt die Woche eigentlich dienstags, aber wenn man montags im Laden ist, klingelt das Telefon ununterbrochen. Eigentlich gehe ich dann nicht ran, aber an diesem Tag nahm ich doch den Hörer ab und hatte einen jungen Mann am anderen Ende des Apparates, der mich fragte, ob es ganz spontan möglich sei, einen Termin bei meinem Dad zu bekommen. Er war nur übers Wochenende in Mannheim, hatte nur Gutes von meinen Dad gehört und total vergessen, nach einem Termin zu fragen. Er würde am Abend wieder zurück in den Norden fahren und sich riesig freuen, wenn es heute noch möglich wäre. So leid es mir tat, musste ich ihm sagen, dass wir montags nur nach Vereinbarung Termine machen und mein Dad deshalb auch nicht da sei. Er war sehr traurig, noch mehr, als ich ihm sagte, dass die meisten Friseure montags geschlossen haben. Ich mache so etwas eigentlich nicht, aber irgendwie war der Mann sympathisch und nett und ich verbrachte sowieso jede Minute gerne im Salon, also bot ich ihm an, er könne vorbeikommen und sich von mir die Haare schneiden lassen – allerdings solle er nicht erschrecken, denn ich hatte meinen Jogginganzug an, da ich nicht auf Kunden eingestellt gewesen war. Der Mann war total überrascht und fragte: „Ist das wirklich o.k.? Ich arbeite um die Ecke, ich könnte in fünf Minuten da sein.“ Meine Antwort: „Klar, kommen Sie vorbei, ich warte auf Sie.“
Kaum eine Minute später war er da. Er war überglücklich, dass ich ihm diesen Gefallen tat und fragte mich, wie es dazu kam, dass ich montags im Geschäft war und warum ich überhaupt angeboten hatte, ihm an meinem freien Tag die Haare zu schneiden. Ich erklärte ihm, dass dies der Laden meiner Eltern sei, dass es mir nichts ausmache, dass ich das gerne machte und dass ich mich darüber freute, wenn jemand Gutes von uns gehört hatte und es mir leid getan hätte, ihn mit langen Haaren zurück zu seiner Familie zu schicken. Seine Antwort war folgende:
„Ich habe auch jahrelang in einem Familienbetrieb gearbeitet. Es war die Firma meiner Eltern und ich vermisse die Zeit jeden Tag. Ich weiß ganz genau, dass es nicht einfach ist, in so einem Geschäft zu arbeiten, aber ich gebe dir einen Tipp: Gib es nicht auf! Ich habe vor 30 Jahren die Lehre in der Firma meiner Eltern begonnen. Es war wirklich hart und ich bekam andauernd eine Menge Dinge von anderen Menschen vorgeworfen, wie, ‚Ich hätte ja leicht reden’, ‚Ich hätte mich ins gemachte Nest gesetzt’, ‚Ich wäre niemals soweit gekommen, wenn meine Eltern nicht diese Firma bereits so groß aufgebaut hätten’… Bis zu meinem 28. Lebensjahr  war ich ein erfolgreicher Mann, aber ich habe mich nie getraut, mir ein schönes Auto zu kaufen oder mir gar einen tollen Urlaub zu leisten. Ich musste mir ständig Sprüche anhören, wie ‚Dein Leben hätte ich gerne!’, ‚Was ein Leben, immer schön auf Kosten der Eltern.’ Mit 28 habe ich einen großen Schritt gewagt, um es all den Menschen endlich zu beweisen. Ich bin ohne einen Cent 500km weit weg gezogen, habe einen Kredit aufgenommen und mir eine eigene Firma aufgebaut. Das Lustige ist, dass ich heute eine genauso große Firma besitze, wie meine Eltern, nur bin ich jetzt alleine. Zwar habe ich dort meine Frau kennen gelernt und mit ihr zusammen nun zwei Kinder, aber in meiner Firma bin ich alleine… Ich habe jeden Tag mit einer Menge Angestellten zu kämpfen, meine Frau hat leider einen komplett anderen Beruf und ich fühle mich in meiner Firma oft verloren. ich habe keinen Rückhalt, keinen, mit dem ich mich wirklich beraten kann, keiner, der mich unterstützen kann und auf den ich mich wirklich blind verlassen kann. Mir fehlt meine Familie – das einzig Gute an diesem Schritt war, meine Frau kennengelernt zu haben, denn sie ist meine Traumfrau und die Mutter meiner bezaubernden Kinder, aber ich muss täglich mitansehen, wie meine Eltern immer älter werden und an ihrer Firma kaputt gehen, weil sie niemanden mehr haben, an den sie die Firma weitergeben können. Sie ist ihr Baby, sie wollen sie nicht verkaufen, was ich gut verstehen kann…
Und weißt du, was der Witz an der ganzen Sache ist: Die Menschen, denen ich was beweisen wollte – keiner, kein einziger von ihnen hat je zu mir gesagt ‚Wow, Respekt!, Du hast es echt geschafft, du kannst stolz auf dich sein! Ich hätte das nie gedacht, aber du hast es wirklich allen bewiesen.’ Keiner ist je gekommen und hat mir auf die Schulter geklopft, sie tun einfach so, als hätten sie nie etwas gesagt. Sie wissen gar nicht, was sie in mir kaputt gemacht haben. Ich kann nicht mehr zurück – meine Kinder gehen dort zu Schule, haben Freunde, auch meine Frau ist dort sehr glücklich. Ich kann nur einmal im Monat mit dem Auto zu meinen Eltern fahren und versuchen, ihnen auf irgendeine Art und Weise wenigstens ein bisschen zu helfen und ich bereue den Tag, an dem ich mich dazu entschieden habe, meine Eltern zu verlassen, nur weil andere Menschen mir meine Arbeit nicht zutrauten.
Es ist ein hartes Stück Arbeit, im Betrieb seiner Eltern respektiert zu werden und es ist ein harter Weg, wenn man sich den Eltern und anderen Menschen gegenüber beweisen muss. Die Menschen erwarten immer gleich das Zehnfache, nur weil du die Tochter oder der Sohn bist. Sie erlauben dir keine Fehler, weil du ja die Tochter bzw. der Sohn bist. Die Menschen erlauben auch deinen Eltern keine Fehler, weil du ja die Tochter oder der Sohn bist. Was wir bei der ganzen Sache schnell vergessen, ist, dass es eigentlich total egal ist, was diese Menschen denken, denn am Ende des Tages musst du mit deinem glücklich sein und ein Chef, der dein Vater ist oder eine Chefin, die deine Mutter ist, wird es dir vielleicht in vielerlei Hinsicht schwer machen und immer sehr viel von dir fordern. Das wird aber nie jemand sehen. Deine Eltern werden alles aus dir heraus holen, denn wenn einer besser weiß was du kannst, als du selbst, dann sind sie es. Deine Kollegen werden immer denken, du wirst bevorzugt und dein Vater wird immer denken, du tust zu wenig. Letzten Endes wirst du es nie allen recht machen können. Es ist ein harter Weg, sich durchzusetzen und den einzigen Rat, den ich dir geben kann: Bleib dir selbst treu! und wenn du einen Schritt in deinem Leben tust, dann nur für dich selbst, weil es etwas ist, was DU willst oder wirklich brauchst und wenn du auf jemanden hören willst, dann auf deine Familie, statt auf Menschen, die nichts über dich wissen, auch wenn sie öfters anderer Meinung sind!
Im Betrieb der Eltern zu arbeiten hat auch viele Vorteile, die mir erst jetzt bewusst sind. Du hast immer Menschen um dich, auf die du dich verlassen kannst, die hinter dir stehen und die sich immer stark machen werden, wenn sie sehen, dass du schwächer wirst. Egal wie gemein sie zu dir sind und wie hart sie mit dir umgehen mögen – auch wenn du abends Ärger bekommst, weil du etwas falsch gemacht hast – sie tun das nur, weil sie wissen, dass du es richtig machen kannst. Außerdem lernst du den Chef auch privat kennen, du weißt, was er für ein Leben führt, du kannst viel von ihm lernen , denn er hat es ja schon weit gebracht und vor allem hat er es geschafft, dass sein eigenes Kind ihn sogar im schwierigsten Jugendalter als Vorbild sieht. Wenn deine Eltern solche Menschen sind, dann haben sie den vollsten Respekt verdient und gleichzeitig haben sie auch verdient, dass du ihnen mehr vertraust, als den anderen Menschen drum herum, die immer meinen, alles besser zu wissen.“
Als ich mit dem Schnitt fertig war, gingen wir schnell an die Kasse und er musste auch schon schnell wieder weg, da abends noch sein Zug nach Hamburg ging. Als ich die Tür von innen wieder verschlossen hatte, überkam mich das Gefühl, ein Engel hätte mich besucht.
Dieser Engel hatte mir eingeflüstert, ans Telefon zu gehen, um einen Engel zu empfangen, der mich davor bewahren sollte, mich von dem, was andere sagten, herunter machen zu lassen. Ich saß bestimmt noch zwei Stunden im Salon – ohne Zeitschrift in der Hand! Ich wusste, dass dies der Ort sein würde, an dem ich mit meinen Eltern zusammen arbeiten würde und ich wusste, dass ich niemandem mehr beweisen musste, dass ich es auch alleine schaffen konnte. Vielmehr wurde mir klar, dass ich allen Menschen beweisen würde, wie weit man kommen kann, wenn man in Liebe und Geborgenheit Hand in Hand mit der Familie seinen Weg geht. Genau das wollte ich den Menschen ab diesem Zeitpunkt zeigen, egal, wie sehr sie der Meinung waren, dass es nicht funktionieren kann, dass man ja nicht ein Leben lang mit den Eltern oder dem Ehemann zur Arbeit gehen könne. Nein, ich wollte ihnen beweisen, dass es geht, dass man sich streiten und diskutieren kann, aber man trotzdem nie vergisst, wo man hingehört und wo sein Zuhause ist. Zwar sind wir alle in der Zwischenzeit von Zuhause ausgezogen, doch das Herz unserer Familie und unser wahres Zuhause, wo wir alle hin gehören, ist unser Salon. Er ist unser Wohnzimmer, er ist unsere Küche, das Badezimmer ist euer Gäste-WC und die Warteplätze unsere Couch.
Jeden Morgen wachen wir auf und sind in Gedanken bei unserem Geschäft, wir verzichten oft auf unsere Pausen, viele private Aktivitäten müssen weichen – weil wir es lieben! Wir lieben es, Menschen glücklich zu machen und wir lieben es, Menschen zu treffen,
die unsere Leidenschaft schätzen und sich jedes Mal aufs Neue darauf freuen sich von uns die Haare machen zu lassen.

Unser Projekt ist es, das schönste Zuhause zu gestalten, indem wir viele, viele Gäste empfangen, Techniken lernen und Neues ausprobieren.
Es ist mehr, als ein Job, dem wir nachgehen, es geht auch nicht in erster Linie nur darum, Geld zu verdienen. Es ist ein Projekt, eine Lebensaufgabe, die wir uns vorgenommen haben, ein Baby, das meine Eltern geboren und begonnen haben, großzuziehen und wir, meine Schwester Isabella und ich, täglich versuchen noch größer zu ziehen und noch schöner zu machen, indem wir es neu einrichten, einen speziellen Kaffee bestellen, leckere Tees aussuchen, schöne Tassen und gemütliche Stühle besorgen, einen Blog schreiben und auf eine neue Kamera sparen, um noch mehr Spaß an euren Bildern zu haben. Vor allem aber wollen wir einfach eine tolle Zeit mit unseren Gästen verbringen und dass wir mit unserer Leidenschaft, auch noch unseren Unterhalt verdienen können, ist für uns ein Segen.

Wie wohl jeder, fragen auch wir uns manchmal, was wir denn tun würden, wenn wir ein paar Millionen im Lotto gewinnen würden. Auch wenn das viele Menschen nicht recht glauben können: wir würden uns trotzdem wünschen, uns jeden Tag zuhause zu treffen, zuhause in unserem Salon. Vielleicht würden wir den ein oder anderen Termin weniger am Tag annehmen, oder wir würden nicht mehr fünf Tage die Woche geöffnet haben, sondern nur noch vier?! Ich weiß es nicht genau, aber ich kann euch versichern, dass, so wie wir heute unsere freien Tage im Salon verbringen, wir auch dann während unserer freien Tage nach Hause in den Salon kommen würden. Und so wie ich uns kenne, würden wir ganz schnell dem ein oder anderen Kunden anbieten, ihm auch außerhalb unseres regulären Öffnungszeiten die Haare zu machen. 😀